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Das Verb, das Sie wählen, verrät leise, wer im Raum die Macht hat

Zwei Sätze, derselbe Vorgang. “He implored the committee to reconsider.” “He demanded the committee reconsider.” Also etwa: Er flehte das Gremium an, es noch einmal zu prüfen, gegenüber: Er forderte, dass das Gremium es noch einmal prüft. An der Situation hat sich zwischen beiden Versionen nichts geändert. Geändert hat sich, wer nach Macht klingt.

Die Sprachforschung dazu, wie Sprache Beziehungen abbildet, hat gezeigt: Einzelne Verben tragen still ein Machtverhältnis zwischen der handelnden und der betroffenen Person in sich, unabhängig von den tatsächlichen Fakten. Mit der Wahl des Verbs haben Sie Ihrem Publikum bereits gesagt, wer das Sagen hat, ob Sie es wollten oder nicht.

Verben sind nicht neutral

Vergleichen Sie “waited” und “demanded.” Beide können beschreiben, dass jemand nach dem Sprechen nichts weiter unternimmt. Aber “waited” wirkt passiv: jemand mit wenig Handlungsmacht, der stillhält, bis etwas mit ihm geschieht. “Demanded” wirkt umgekehrt: jemand, der das Ergebnis aktiv gestaltet. Keines der beiden Verben beschreibt eine andere Handlung. Beide beschreiben dieselbe Handlung durch eine andere Linse darauf, wer die Macht hält.

Im beruflichen Schreiben und Sprechen ist das enorm wichtig, denn die meisten Menschen wählen Verben aus dem Bauch heraus. Sie greifen zu dem, was sich natürlich anfühlt, ohne zu bemerken, welches Machtverhältnis dieses Verb unter dem Satz still mitsendet.

Wo das in der Geschäftskommunikation auftaucht

Achten Sie darauf, wie oft Fachleute zu Verben mit wenig Handlungsmacht greifen, ohne es zu beabsichtigen, besonders wenn sie in einer zweiten Sprache schreiben oder sich in einer Hierarchie bewegen.

Jedes dieser Verben, hoping, wanted, wondering, stellt die sprechende Person als jemanden dar, der auf Erlaubnis wartet, statt als jemanden, der ein Argument vorbringt. Das eigentliche Anliegen mag völlig berechtigt sein. Allein die Verbwahl schwächt es, noch bevor überhaupt jemand das Argument prüft.

Es geht nicht darum, aggressiv zu klingen

Sprache mit hoher Handlungsmacht ist nicht dasselbe wie fordernde oder harte Sprache. “I recommend” zeigt klare Handlungsmacht, ohne konfrontativ zu wirken. Das Ziel ist nicht, wie jemand zu klingen, der Anweisungen erteilt. Das Ziel ist, dass Ihre Verben nicht länger leise signalisieren, Sie bäten um Erlaubnis für etwas, das Sie fachlich längst entscheiden oder empfehlen dürfen.

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig für Fachleute, die in einer zweiten Sprache kommunizieren. Dort greift der Wunsch, eine Bitte abzufedern, oft genau zu den Verben, hoping, wondering, wanting, die am wenigsten Handlungsmacht tragen, gerade weil sie am höflichsten wirken. Höflichkeit und geringe Handlungsmacht sind nicht dasselbe. Die beiden zu verwechseln, ist eine der subtilsten Arten, wie Fachwissen in der Übersetzung an Gewicht verliert.

Ein einfacher Check für Ihre eigenen Texte

Bevor Sie eine wichtige E-Mail senden oder in eine Präsentation gehen, lohnt es sich, die eigene Sprache nach Verben abzusuchen, die Ihre Handlungsmacht leise abgeben. Fragen Sie sich bei jedem zentralen Satz, ob das Verb Sie wie jemanden klingen lässt, der entscheidet, oder wie jemanden, der darauf wartet, dass man es ihm erlaubt.

Denn die Fakten Ihrer Empfehlung waren nie das Problem. Manchmal ist es schlicht das Verb, das sie trägt.

Verwendete Konzepte: connotation frames (Konnotationsrahmen) von Macht und Handlungsmacht in der Verbsemantik, wie sie in der computerlinguistischen Forschung dazu untersucht werden, wie Sprache soziale Beziehungen abbildet.

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Feedback dazu, wie Sie unter Druck kommunizieren

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Über die Autorin

Nadia Britz ist die Gründerin von Noreva, einer Beratung für Executive Communication. Noreva hilft Fachleuten, klarer, sicherer und wirksamer zu kommunizieren. Sie verbindet Psychologie, Sprachwissenschaft und Executive Communication. So arbeitet sie mit Führungskräften, Fachleuten und globalen Teams. Ihr Ziel: aus Fachwissen überzeugende Geschäftskommunikation machen.

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